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Das Heritage Journal veröffentlichte am 09.07.2016 einen Artikel mit dem kritischen Titel "Now the British Museum insults every archaeologist and heritage professional?" (zu deutsch: "Nun beleidigt das British Museum jeden professionellen Archäologen und Kulturerbe-Profi?"). Hintergrund der Kritik ist eine Presseerklärung des British Museum zum Jahresrückblick 2015/2016. In dieser wird das Sondengehen ebenfalls als Archäologie bezeichnet, jedoch gab es hierfür keinen Beifall. Das Heritage Journal hat daraufhin die Frage behandelt, ob Sondengänger Archäologen seien. Hierzu ein kurzes Statement unsererseits.

 


In der Presseerklärung zum Jahresrückblick 2015/2016 des British Museum (Fn1) wird das Jahr als das bisher erfolgreichste bekannt gegeben. In der Erklärung wird ebenso "Citizen Archaeology", also "Bürger-Archäologie", als wachsendes Phänomen angesprochen. Gemeint sind hiermit jedoch hauptsächlich Sondengänger, denn die hier sog. "Bürger-Archäologie" bezieht sich in der Presseerklärung auf rund 82.000 durch Bürger eingetragene Funde in das sog. "Portable Antiquities Scheme", eine Webseite mit Online-Datenbank, welche durch das British Museum geführt und zur Registrierung von archäologisch relevanten Funden genutzt wird. Die in der Datenbank registrierten Funde werden zum größten Teil durch Sondengänger eingepflegt. Des Weiteren wird in der Presseerklärung ebenso darauf hingewiesen, dass auch "detecting superfan Mackenzie Crook" seine Funde hier eingetragen habe, bzw. diese dort mit enthalten seien.

 

Citizen Archaeology

SondengängerDas Heritage Journal schlussfolgert in einem Artikel vom 09.07.2016 (Fn2) aus dieser Erklärung, dass behauptet wird, dass Sondengänger Archäologen seien und sieht darin eine Beleidigung für jeden professionellen Archäologen. Um fair zu bleiben muss zunächst festgestellt werden, dass diese Interpretation nicht vollständig richtig ist. Dass die Funde in der Datenbank zum größten Teil durch Sondengänger eingepflegt werden und sich auch der Hauptbezug der Aussage auf Sondengänger bezieht, dürfte unstrittig sein, wird sie doch immerhin auch durch die Erwähnung von Herrn Crook als "detecting superfan" bekräftigt. Dass hierbei jedoch zugleich gemeint ist, dass es sich bei Sondengängern um Archäologen, respektive Bürger-Archäologen, handelt, wird nicht gesagt. Die Rede ist lediglich von Bürger-Archäologie. Per Definition beschränkt sich der Begriff "Archäologie" nicht nur auf das, was professionelle Archäologen machen. Wie bereits kürzlich in unserem Blog-Beitrag "Hobbies: Archäologe & Arzt" erläutert, stellt der Begriff "Archäologie" ein Überbegriff dar, dem vielerlei zugeordnet werden kann.

Die kritische Frage zur Presseerklärung müsste korrekterweise daher lauten: "Kann das Sondengehen unter den Begriff "Archäologie" eingeordnet werden?". Auch dazu haben wir in unserem genannten Blog-Beitrag Stellung genommen, denn hierauf gibt es, unserer Auffassung nach, keine einfache Antwort. Stattdessen ist eine differenzierte Betrachtungsweise notwendig.

 

Eines steht fest

Um das Fazit unseres Blog-Beitrages kurz noch einmal zusammen zu fassen: Unserer Auffassung nach KANN das Sondengehen unter Archäologie eingeordnet werden. Es KANN auch (damit) unter Citizen Science kategorisiert werden, JEDOCH sind hierfür Voraussetzungen notwendig, die von den meisten Sondengängern nicht erfüllt werden. Zumeist handelt es sich stattdessen eher um eine Schatzsuche. Nicht alle üben eine solche Schatzsuche aber auch mit einer Genehmigung aus, womit einige Sondengänger auch der Raubgräberei zugeordnet werden können. Eines steht jedoch fest: Die alleinige Tätigkeit des Suchen & Findens von (beweglichen) Bodendenkmälern unter Einsatz einer Metallsonde, sowie die gemachten Funde zu melden, wird nicht dem Begriff "Archäologie" gerecht und schon gar nicht dem Begriff "Archäologe". Mehr zu unserer Position diesbezüglich finden Sie in unserem Beitrag: Hobbies: Archäologe & Arzt.

 

Bei allem Respekt...

Bei allem Respekt gegenüber Herrn Mackenzie Crook (ein bekannter britischer Schauspieler): Wir gönnen ihm sein Hobby und freuen uns darüber, wenn er seine Funde ordnungsgemäß meldet. Dass das British Museum, als eines der international bedeutendsten und angesehensten Museen, in seiner Presseerklärung zum Jahresrückblick, die ohnehin recht komprimiert wurde, es allerdings für erwähnenswert hält, dass sich in ihrer Datenbank ebenfalls die Funde von Herrn Crook befinden, können wir nicht nachvollziehen. Hier ging es offenbar nicht um eine freundliche Würdigung einer gut geleisteten Mitarbeit eines Bürgers, sondern um eine reine PR-Aussage unter Zuhilfenahme einer berühmten Persönlichkeit. Ohne Herrn Crook herabwürdigen zu wollen, fragen wir uns, ob es als wissenschaftlich weltweit anerkannte Institution notwendig ist, auf eine solch rein medienwirksame Sachlage hinweisen zu müssen. Der Zweck dahinter erschließt sich uns ebenfalls nicht. Diese PR wird unserer Auffassung nach nicht dazu führen, dass sich mehr Sondengänger dazu entscheiden Funde zu melden, noch sehen wir hierin einen besonderen, und damit meldenswerten, Erfolg.

Stattdessen wird allerdings der Eindruck vermittelt, dass das reine Sondengehen, im Zusammenhang mit der verwendeten Begrifflichkeit "Citizen Archaeology", bereits Archäologie darstellt. Das stellen wir allerdings deutlich in Frage! Leider trägt die Medienwirksamkeit dieser Meldung, sowie die hohe Reputation der Institution, jedoch dazu bei, dass die Öffentlichkeit einen solchen Eindruck von dem, was Archäologie sei, bekommt. Der dann noch zusätzlich im selben Zusammenhang verwendete Begriff "detecting superfan" gibt der Angelegenheit einen besonders bitteren Nachgeschmack und lässt die Aufregung professioneller Archäologen absolut nachvollziehen. Wir persönlich freuen uns sehr, wenn wir mit unserer Arbeit von professionellen Archäologen als Citizen Scientists anerkannt werden. Eine Bezeichnung unsererseits als "detecting superfans" würden wir allerdings auf das Schärfste abstreiten! Das ist reichlich albern...


Quellennachweise


Creative Commons Lizenzvertrag
The British Museum: Sondengänger betreiben Citizen Archaeology von Bergische Historiker / Pascal Geiger ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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