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Bewertungen zu bergische-historiker.de

Dr. Jennifer Morscheiser-Niebergall war sechs Jahre für die Betreuung von Sondengängern in der Außenstelle Overath des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland zuständig. Sie war damit auch, seit unserem Bestehen, unsere zuständige Archäologin. Nun verlässt sie den LVR und übernimmt ab August 2016 die Museumsleitung des Museums Burg Linn sowie die Stadtarchäologie in Krefeld. Wir bedauern den Verlust unserer "Chefin", als diese wir sie häufig bezeichneten, freuen uns aber ebenso mit ihr über die neuen Perspektiven.

 

Unsere Gruppe "Bergische Historiker" ist noch recht jung. Vor knapp einem Jahr haben wir diese gegründet, nicht nur um uns in unserem "Hobby" lokal zu organisieren, sondern auch in der Hoffnung ein Stück weit positive Öffentlichkeitsarbeit pro Archäologie bei Sondengängern & Schatzsuchern, sowie pro "Citizen Science" und Sondengänger in der Archäologie betreiben zu können. Dass wir uns in der kurzen Zeit zu der Form entwickeln konnten, die wir bis heute erreicht haben, verdanken wir vielen Unterstützern, hauptsächlich aber unserem fachlichen Background Fr. Dr. Jennifer Morscheiser. Ihre Betreuung bot uns das Fundament auch als Laien ein Stück weit an Archäologie teilhaben zu können und sie ein wenig mit gestalten zu dürfen. Dieses Angebot haben wir nie als selbstverständlich empfunden, es deshalb besonders gerne angenommen und sind daher für die entgegengebrachten Möglichkeiten und vor allem für das Vertrauen in uns, sehr dankbar!

 

Ein paar Fragen haben wir da noch...

Dr. Jennifer MorscheiserSondengänger lösen bei einigen Archäologen immer noch Skepsis aus. Viele hiervon haben in ihrem Alltag allerdings wenig mit ihnen zutun und erfahren hierüber nur durch Medien - und die berichten zumeist über Raubgrabungen. Nach einigen Jahren Betreuung von Sondengängern haben wir Dr. Jennifer Morscheiser deshalb ein paar Fragen zu einem Fazit und auch zur beruflichen Zukunft gestellt.

Bergische Historiker: "Beim LVR-ABR waren Sie unter anderem für die Betreuung von Sondengängern und einigen ehrenamtlichen Mitarbeitern zuständig. Was hat Ihnen an dieser Aufgabe Spaß gemacht und was nicht?"

Dr. Jennifer Morscheiser: "In den sechs Jahren, die ich für die Betreuung der Sondengänger zuständig war, habe ich sehr viele spannende und interessante Persönlichkeiten kennengelernt, die mit ganz viel Einsatz, und auch immensem Fachwissen, für Ihr Hobby brennen. Das war toll. Dadurch haben sich auch verschiedene Projekte ergeben, die ohne Sondengänger gar nicht möglich gewesen wären, da wir personell einfach nicht ausreichend gut aufgestellt sind. Inzwischen haben sich aus dieser Zusammenarbeit richtig Freundschaften entwickelt, die hoffentlich auch über meine Zeit in Overath hinaus reichen. Bemerkenswert ist vor allem aber die Hilfsbereitschaft, die mir von Sondengängern zur Unterstützung der Archäologie entgegen gebracht wurde. Ich kann absolut verlässlich darauf zählen, dass irgendeiner „meiner“ Sondengänger auch ganz kurzfristig, oft innerhalb weniger Stunden, Zeit findet Aufgaben zu unterstützen, Suchen zu organisieren etc. Das hat ganz viel Spaß gemacht.

In der Zeit habe ich aber auf der anderen Seite eine ganze Reihe Leute getroffen, die mich bewusst, und das zum Teil auch noch überaus schlecht, belogen haben, mich für dumm verkauften und eigentlich nur ein Feigenblatt wollten mit dem Sie dann suchen gehen. Das finde ich überaus ärgerlich, denn ich denke, dass gerade in NRW die Auflagen zum Suchen durchaus akzeptabel sind und es vollkommen unnütz ist, unter den Gegebenheiten die Archäologie hinters Licht führen zu wollen und so für Missstimmung zu sorgen. Aber vermutlich ist das wie überall im Leben: Menschen sind sehr verschieden und ich habe ein breites Spektrum davon kennengelernt."

 

Bergische Historiker: "Wir glauben dass Bürgerbeteiligung, respektive "Citizen Science" weiter zunehmen wird, nicht nur in Bezug auf Sondengänger. Welche Strategie sollte die Amtsarchäologie Ihrer Auffassung nach für die Zukunft fahren?"

Dr. Jennifer Morscheiser: "Ich schlage keine wirkliche Strategieänderung vor, da ich glaube, dass es hier gerade sehr gut läuft. Darunter verstehe ich: Vertrauen zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern, Nutzung derer Spezialgebiete, Ernstnehmen der Anliegen, gemeinsames Entwickeln von Projekten. Der LVR hat sich bürgerschaftliches Engagement durchaus zu Recht auf die Fahnen geschrieben und lebt das. Aber auch auf der Archäologenseite sind unterschiedliche Menschen unterwegs: dem einen fällt das leichter, dem anderen schwerer.

Damit das hier aber nicht ausschließlich zu einem Loblied wird, bitte ich auch die andere Seite, also die der Archäologen zu verstehen, die von Zeit zu Zeit etwas genervt reagieren können. Es gibt unter dem Lable "Citizen Science" eine Reihe Personen, die nahezu ausschließlich ihre privaten Interessen verfolgen und damit ganze Behörden dauerhaft auf Trapp halten. In der Zeit hatte ich einige, die mich pro oder contra Bebauungspläne/Windkraftanlagen etc. einspannen wollten (nein, wir sind unabhängig…), die überhaupt nicht verstanden, wieso ich nicht begeistert auf ihre buchdicke Abhandlung zur strahlenbasierten Ortung von Schätzen reagierte (Wünschelruten erschienen mir im Vergleich geradezu unfehlbar und die Chemtrailtheorie schlüssig) oder Leute die den Ort XYZ als Nabel der Welt sehen und gefühlt nahezu täglich das Für und Wider von irgendetwas mit mir diskutieren wollen. Da bindet - in meinen Augen falsch verstandene - "Citizen Science" ungeheure Personalressourcen, die wir so oftmals nicht haben. Nur ein Beispiel: Nach einer Begehung, einer Sondensuche, Auswertung von Luftbildern und den Lidardaten sowie einer geomagnetischen Messung, die alle nichts gebracht haben, war der entsprechende "Citizen Scientist“ immer noch nicht überzeugt, dass es keine Belege für seine Theorie gibt und warf mir und der Archäologie und allen überhaupt Untätigkeit vor. Da musste ich schwer mit den Zähnen knirschen. Nach nur sechs Jahren lache ich (oft) noch drüber, nach 20 Jahren kann ich mir da eine geringere Frustrationstoleranz vorstellen. Mein Appell also in Ihre Richtung: Bitte bei "Citizen Science" auch nochmal den Nutzen im Vergleich zum Aufwand hinterfragen und dabei auch über die Kirchturmspitze hinweg denken und die zur Verfügung stehende Gesamtarbeitszeit der Ansprechpartner mit in Betracht ziehen (Archäologen begeistern sich vielleicht nicht so an Samstagen und Sonntagen für Ihre Freizeitprojekte, denn da haben sie Freizeit nach fünf Werktagen)! Dann kann es ganz fantastische Ergebnisse bringen...

 

Bergische Historiker: "Welche Ratschläge werden Sie Ihrem Nachfolger mitgeben?"

Dr. Jennifer Morscheiser: "Mit Humor und Herz offen auf die Sondengänger zu gehen, dann kann das "der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" sein."

 

Bergische Historiker: "Klassische Bewerbungsfrage: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?"

Dr. Jennifer Morscheiser: "(Fast) klassische Antwort: Im Sonnenschein auf dem Burgturm in Linn stehend. Ich blicke auf ein tolles Museum mit ganz viel Leben und Abwechslung, vielen gelungenen und spannenden geplanten Ausstellungen, die bei den Leuten ankommen und herausragende Besucherzahlen erzielen. Ehrenamtliche mit einem Altersdurchschnitt U50 unterstützen, dabei die tägliche Arbeit und ich halte vielleicht noch ein Kaltgetränk aus dem jetzt schon grandiosen Museumscafé in der Hand?"

 

Danke für alles und bis bald!

Wir bedauern Fr. Dr. Morscheisers Entscheidung nun das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland zu verlassen. Sie wird uns ein großer Verlust sein. Wir freuen uns aber ebenso sehr mit ihr über ihre neuen Perspektiven, welche die neue Arbeitsstelle ihr eröffnet und wünschen ihr nur das Beste hierfür! Und sollte es in Krefeld mal an Unterstützung bedürfen, stehen wir selbstverständlich auch weiterhin gerne zur Verfügung, denn wir bleiben natürlich trotzdem weiterhin in Kontakt. Bis dahin: danke für Alles und bis bald!


 

Quellennachweise

Kommentare  

0 # Hi,debrandt .Ch 2016-11-12 22:47
Hallo Fr. Dr. Jennifer Morscheiser

Ich wünsche ihnen alles liebe und gute in ihrem neuen Aufgabenbereich ,möge es ihnen genau so viel Spaß bereiten ,wie die Aufgaben in Overath !

Lg Ehemaliger Schützling und Sondengänger

Christian Hildebrandt
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