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Funde gegen Steuer

Geschichte nur gegen Geld? Das Thema "Schatzregal" in den Denkmalschutzgesetzen der Bundesländer ist immer wieder ein Gesprächsthema unter Schatzsuchern (insbesondere Sondengängern) mit Zündstoff. Viele wünschen sich für ihre Funde keine Belohnung, sondern fordern eine Entschädigung, die dem materiellen Wert 1:1 entspricht. Ob wir dies für richtig halten erläutern wir hier.

 

(Wer detailliertere Informationen zu den Eigentumsrechten wünscht, kann sich hier genauer belesen: Klick mich)

MuenzschatzGemäß dem "Schatzregal" (im Denkmalschutzgesetz NRW unter § 17 aufgeführt) werden herrenlose Funde, welche bewegliche (Boden-)Denkmäler darstellen, bei welchen das Eigentum nicht mehr festzustellen ist, sowie Funde von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung mit ihrer Entdeckung Eigentum des Landes. Ein Gräuel für Schatzsucher, denn damit entfällt eine materielle Entschädigung. Lediglich eine Belohnung in Geld wird ausgezahlt, wenn der Entdecker seiner Melde- und Ablieferungspflicht bei den Denkmalbehörden / der Amtsarchäologie ordnungsgemäß nachgekommen ist. Viele sind hiermit nicht einverstanden, sehen darin Unrecht und fordern eine Gesetzesänderung, die eine Entschädigung am materiellen Wert sicherstellt oder das Eigentum an dem Fund dem Entdecker (und Grundstückseigentümer) überlässt, wie es vor Einführung des Schatzregals über den § 984 BGB geregelt wurde.

Viele vertreten heute noch die Auffassung "Wer's findet, darf's behalten." und sehen sich mit dem Schatzregal regelrecht enteignet. Oft fallen hier Argumente wie, dass das Land / der Staat / die Archäologie für die Entdeckung eines von einem Schatzsucher gemachten Fundes überhaupt nichts geleistet habe und fragen sich mit welchem Recht man den Entdecker des Fundes enteignen und ihm "nur" eine Belohnung auszahlen könne, statt den materiellen Wert 1:1 zu entschädigen. Auch wird in diesem Zusammenhang nicht selten gegen die Archäologie / Denkmalämter gewettert, insbesondere deshalb weil viele Schatzsucher in der Archäologie einen Gegner sehen, der die Interessen von Schatzsuchern ignoriere, dem Bürger nicht auf Augenhöhe begegne und sich rücksichtslos eines "längeren Hebels" bei der Gesetzesgestaltung und -auslegung bediene. Nicht weniger halten diese Handhabe für die Ursache einer mangelnden Kooperation und von Raubgräberei.

Zunächst klingt dies nach einer fairen Forderung. Der wissenschaftliche Wert soll dem Land / der Archäologie zugesprochen werden, indem man unter Zwang eine Melde- und Abgabepflicht zur wissenschaftlichen Untersuchung und Veräußerungssperre für diese Zeit weiter beibehält, der materielle Wert soll jedoch dem Entdecker anschließend in voller Höhe zugesprochen werden, sei es in Form des Fundes oder einer Entschädigung in Geld. Auch wurde die Lösung der Miete des Fundes vorgeschlagen, wenn das Land den Fund finanziell nicht erwerben kann / möchte.

So einfach ist die Lösung dann aber leider doch nicht. Die meisten Schatzsucher sind sich darüber einig, dass die Fundstücke Geschichtsträger sind, sei es weil sie Teil eines wichtigen Fundkontextes darstellen oder in sich wissenschaftlich bedeutungsvoll sind. Die wenigsten stimmen aber der Auffassung zu, dass es sich bei der Geschichte, welche sich hinter den Funden verbirgt, um ein allgemeines, öffentliches Gut handelt.

 

Geschichte ist ein allgemeines Gut!

HelmDie Geschichte hinter den Funden ist sehr wohl ein allgemeines Gut. Unsere Gesellschaft, als auch andere Gesellschaften definieren sich über die eigene Geschichte, welche damit ein hohes Kulturgut darstellt. Es kommt ebenso häufig vor, dass die Funde selbst ein bedeutender Geschichtsträger sind, sei es weil sie selten, einzigartig oder aber Teil eines besonderen Fundkontextes, dem sogenannten "Befund" sind. Es ist inakzeptabel hieran das persönliche Eigentum zu fordern und damit der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu entziehen die Funde in Museen zu betrachten und daraus zu lernen und von ihr die Bezahlung, d.h. Entschädigung zu fordern um dieser Möglichkeit nachgehen zu können, denn wenn eine Entschädigungsregelung bestünde, sollte nicht vergessen werden, dass diese mit Steuergeldern bezahlt werden müsste.

Des Weiteren fehlt es den Ländern hierfür an Geld. In diesem Zusammenhang wird ebenso gerne argumentiert, dass sich mit dem zur Verfügung gestellten Geld darstellen ließe, dass das öffentliche Interesse an der Geschichte nicht so hoch ist, wie behauptet, denn andernfalls müsse hierfür schließlich mehr Geld zur Verfügung stehen. Zwar gibt es grundsätzlich einen gewünschten Zusammenhang zwischen öffentlichen Geldern und öffentlichem Interesse, jedoch findet dieser in vielen Fällen gar keine Anwendung. So steht genug Geld für unsinnige Bauprojekte zur Verfügung gegen die oft in großer Zahl demonstriert werden, für Kindergärten, Schulen, warme Mahlzeiten für Schüler, Museen, Krankenhäuser, Krankenschwestern, Schwimmbäder, Theater und vieles mehr steht aber kein Geld zur Verfügung. Diese müssen stattdessen regelmäßig geschlossen oder können, trotz immensen Bedarfes, nicht errichtet werden oder Mitarbeiter müssen mit einem kärglichen Lohn leben - und das obwohl hier an einer Verbesserung ein deutlich erkennbares öffentliches Interesse besteht. Das klar erkennbare hohe öffentliche Interesse hieran besteht insbesondere auch deshalb, weil diese Einrichtungen zu unserem Alltag gehören und die meisten folglich regelmäßiger sich hiermit beschäftigen, statt mit Archäologie und Geschichte. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese von bedeutend weniger Interesse ist. Einen Zusammenhang zwischen Geld und öffentlichem Interesse sehen wir daher nicht als ausreichend repräsentativ um hiermit argumentieren zu können.

 

Es besteht kein öffentlicher Auftrag

Ebenso zeigen viele ein großes Unverständnis darüber, dass man nicht materiell entschädigt werde, denn immerhin sei nicht davon auszugehen, dass die Archäologie diesen Fund selbst entdeckt hätte. Eher sollte die Archäologie und Gesellschaft sich Sondengängern / Schatzsuchern sogar dankbar zeigen für diese Entdeckung. Bei diesem Argument werden aber zwei wichtige Dinge missachtet. Erstens lösen sich Funde nicht in Kürze auf. Eine Behauptung, dass diese nie oder erst viel später gefunden worden seien, kann nicht bewiesen werden. Des Weiteren ist es nicht das Ziel der Archäologie möglichst viele Funde in kurzer Zeit zu machen. Stattdessen sollten Funde nach ihrer wissenschaftlichen Bedeutung sortiert und "en detail" dokumentiert / erforscht werden. Die Möglichkeit Funde zu machen wird von Schatzsuchern vor allem privat als Freizeitgestaltung wahrgenommen, nicht als Arbeit, für die entlohnt werden muss. Es besteht überhaupt kein öffentlicher Auftrag! Weshalb sollte sich daher die Öffentlichkeit in der Verpflichtung sehen den materiellen Wert des Fundes zu entschädigen, an dem die Öffentlichkeit ohnehin ihr Eigentum sieht, wenn dieser von wissenschaftlicher Bedeutung ist und aus einem Hobby heraus sowie ggf. nicht ordnungsgemäß geborgen wurde?

Eine Belohnung, sofern ordnungsgemäß gemeldet und abgegeben wurde, ist durchaus eine gute Lösung - nicht aber eine Entschädigung.

 

Folgen einer Entschädigungsregelung

JuwelenEine Entschädigungsregelung würde bedeuten, dass nur noch wenige privat gemachten Funde veröffentlicht werden können und viel Geschichte in heimischen Vitrinen verschwindet, da dem Land zum Erwerb oder auf Dauer auch zur Miete das Geld fehlt. Funde, wie die Himmelsscheibe von Nebra oder der sog. "Barbarenschatz" würden einen immensen finanziellen Aufwand bedeuten. Der Barbarenschatz wird beispielsweise auf einen materiellen Wert von ca. 500.000 Euro geschätzt. 

Eine Entschädigungsregelung würde zudem weitere Menschen motivieren, die überhaupt kein wissenschaftliches / geschichtliches Interesse verfolgen, aufgrund der Aussicht auf hohe Geldbeträge, einer solchen Beschäftigung ebenso nachzugehen ohne besondere Rücksicht auf eine wissenschaftlich ordnungsgemäße Bergung. Alles was zählt wäre lediglich der materielle Wert. Die Archäologie sähe sich in diesem Fall nicht nur in einer Konkurrenzposition zu etwaigen Schatzsuchern, sondern wäre mit der Untersuchung solcher Funde sowie Betreuung von Schatzsuchern personell vollkommen überlastet und könnte sich dem eigentlichen Aufgabengebiet nicht mehr widmen. Ein Worst-Case-Szenario.

Belohnung oder Fund zurück

Unser Meinung nach gibt es bereits eine gute Lösung. Wer nämlich seiner Melde- und Ablieferungspflicht ordnungsgemäß nachkommt, erhält eine Belohnung in Geld für den Fall, dass das Land den Fund einbehalten möchte. Das kommt aber ohnehin nur äußerst selten vor, denn dafür müsste der Fund an sich von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung sein. Dies wäre, wie bereits erwähnt, beispielsweise der Fall, wenn ein Fund in sich sehr bedeutsam oder ein bedeutsamer Teil eines Fundkontextes ist. Die Himmelsscheibe von Nebra ist in sich so bedeutsam, da sie einzigartig ist und selbst wenn es weitere (ähnliche) geben könnte, ist sie sehr selten. Hier ist eine Ausstellung auf jeden Fall sinnvoll. Teile des Barbarenschatz hingegen sind so bedeutsam, weil jedes Fundstück einen besonderen Teil des Fundkontextes ausmacht. Solche Funde sind aber sehr sehr rar. Zumeist werden eher einzelne Münzen, Fibeln, etc. gefunden, die als einzelner Fund sicherlich von archäologischer Relevanz sind, jedoch nicht zwangsläufig ausgestellt werden müssen. Diese Funde gehen nach Untersuchung wieder in den Besitz des Entdeckers zurück, was sogar einer materiellen 1:1 Entschädigung entspricht. Die heimische Vitrine muss daher nicht leer stehen oder unbedeutsam sein.

 

Wie hoch ist aber eigentlich so eine Belohnung?

GummbärchenDas ist eine Frage, die immer wieder, insbesondere von Schatzsuchern, die sich eine Genehmigung anschaffen möchten, gestellt wird - und sie ist nicht leicht zu beantworten, denn es gibt zu wenig Fälle oder Urteile anhand derer man einen Prozentsatz oder dergleichen feststellen könnte. Laut dem § 17 DSchG NRW beispielsweise, soll die Belohnung angemessen sein und sich am wissenschaftlichen Wert orientieren. Das ist ein Problem, bei dem wir ebenso eine Gesetzesänderung wünschen würden (obgleich wir ehrenamtlich arbeiten, alle Funde ohne Belohnung abgeben und somit keinen Vorteil daraus hätten) denn diese Klausel lässt so ziemlich alles offen und sorgt für ständige Diskussion sowie juristische Unklarheit.

Die Himmelsscheibe von Nebra ist beispielsweise ein Objekt, bei dem man von einem wissenschaftlich "unschätzbaren Wert" ausgehen kann. Wie hätte man hier, wäre dieser Fund nach Einführung des Schatzregals und nicht durch eine Raubgrabung entdeckt worden, bezüglich einer Belohnung gemäß dem Schatzregal entscheiden müssen? An etwas "Unschätzbarem" ließe es sich schlecht orientieren und "unschätzbar" wäre eigentlich zu vergleichen mit "maximal wertvoll".

Ein fester Belohnungssatz wäre daher unserer Meinung nach angebracht. Der materielle Wert sollte hierbei als Orientierung berücksichtigt werden, da dieser problemlos zu schätzen ist. So könnte man beispielsweise eine gestaffelte Belohnung nutzen, die der Regelung des Finderlohns in etwa entspricht, wobei man hier ein wenig höher staffeln sollte, da es sich nicht um ein Portemonaie, sondern um tatsächlich für die Öffentlichkeit wertvolle Objekte handelt.

Es bleibt zunächst abzuwarten, wie die Fälle ausgehen. Hierbei sollten auch die oberste Denkmalbehörde im Einvernehmen mit dem örtlich zuständigen Denkmalpflegeamt eine wohl überlegte Entscheidung treffen, denn bisher entscheiden diese letztendlich über die Höhe der Belohnung. Wer hier auf eine faire, angemessene Lösung verzichtet, sondern lieber eine Landeskasse so weit wie möglich schont, wird Schatzsucher nicht dazu motivieren Funde weiterhin zu melden und auf Kooperation zu setzen, sondern das Gegenteil verursachen. Dies wäre ebenso wenig wünschenswert.

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